Dienstag, 26. April 2011

Katerchen



Charlie, 8 1/2 Monate

Freitag, 22. April 2011

Eine Entstehungsgeschichte

Ich möchte eine Geschichte erzählen, eine Bildergeschichte.

Die Geschichte beginnt vor fast exakt einem Jahr, nämlich am 20.4.2010, und zwar mit einer Faserbestellung. Ich war (mal wieder) neugierig und wollte neue Fasern ausprobieren, genauer gesagt: Pflanzenfasern. Noch genauer: Flachs und Hanf.

Spinnfertiger Langflachs ist hierzulande nicht aufzutreiben. Alles, was ich gefunden habe, ist Langflachs, der noch gehechelt werden muss und ich weigere mich, zum Ausprobieren noch mehr Werkzeuge anzuschaffen, als ich sowieso schon habe :)
Also musste ich mit Flachskammzug vorlieb nehmen, der qualitativ nicht mit Langflachs zu vergleichen ist, aber dafür problemlos zu bekommen ist.
Auch Hanffasern im Kammzug sind bei den bekannten Spinnfaserhändlern ohne weiteres erhältlich.



Dann ging es ans Spinnen der je 200g Fasern. Nachdem ich auf dem Lendrum noch den Very Fast Flyer und Baumwolle habe und zu faul zum Umbauen war, das Victoria derzeit weggeräumt ist und ich zu faul..., durfte das Suzie Pro ran, das nur gerade ein bisschen Testgarn auf der Spule hatte. Zuerst nahm ich mir den Flachs vor. Die ersten paar Meter:


Paketschnur, ganz eindeutig. Hart, kratzig, pieksig, Ungewohnt zu spinnen, komplett unelastisch, hält nicht leicht zusammen, es sei denn mit Wasser, aber dann klebt es buchstäblich. Hm :)
Kurz: es brauchte ein wenig Gewöhnung und Übung.

Vier Wochen später sah die Spule so aus:


Viel glatter, gleichmäßiger, nicht mehr so pieksig, aber immer noch eher mit der Charakteristik von Paketschnur: hart und störrisch, aber die Hauptsache: die Spule war voll, der Flachs zu Leinengarn versponnen.

Danach ging es weiter mit dem Hanf.
Hanfkammzug spinnt sich ähnlich wie Flachskammzug, ist aber viel weicher und fusseliger und bleibt auch versponnen weicher und fluffiger. Was das sonst noch bedeutet, dazu komme ich später :o)


Nach insgesamt zwei Monaten, Ende Juni 2010, waren Flachs und Hanf versponnen und fertig zum Zwirnen:


Nachdem es doch ein paar Meter waren, habe ich einige Stunden gezwirnt und das Ergebnis waren drei Stränge mit insgesamt 412g und 900m. Zwei Stränge waren wie geplant aus einem Faden Leinen und einem Faden Hanf, und sogar sehr gleichmäßig mit 342m/168g (LL204m/100g, 13 wpi) und 365m/188g (LL194m/100g, 13 wpi).
Nachdem ich den Hanf dünner gesponnen hatte, blieb mir noch ein Rest, den ich mit sich selbst verzwirnt habe (141m/56g (LL251m/100g, 16wpi)):


Zur Fertigstellung gehört, wie bei Wolle auch, eine abschließende Wäsche, um den Drall zu fixieren. Bei Pflanzenfasern kann man auch mit etwas Soda oder Waschpulver kochen, um die Farben schöner rauszubringen oder die Fasern weicher zu machen.

Ich habe meine Stränge gekocht und ich hätte nicht gedacht, dass das Ergebnis doch so anders sein würde :)


Eine erste Maschenprobe, 18 Maschen und 26 Reihen mit 3mm-Nadeln:


Inzwischen war es Juli, Juli 2010.
Ein bisschen Farbe sollte auch noch sein. Ich dachte an ein nettes Schilfgraugrün, aber... nun, es kam nicht wirklich so raus, wie ich es erhofft hatte :)
Gefärbt habe ich im Eimer mit Simplicol-Farben, die ich von diversen Stoff-Färbe-Aktionen von vor einigen Jahren noch im Haus hatte.


Das war für meinen Geschmack eindeutig zu grün und nicht das, was ich in irgendeiner Form tragen wollen würde. Ein wenig demotiviert war ich schon, und so musste das Garn erst einmal eine Auszeit in einer dunklen Kiste nehmen, bis ich mich entschieden hatte, wie ich weiter mit ihm verfahre.

Es wurde 2011, Februar, und ich entschied mich für einen neuen Färbeversuch und zwar mit einer Mischung aus Marineblau mit einem bisschen Schwarz, diesmal in der Waschmaschine. Mit dem Ergebnis war und bin ich hochzufrieden, es ist ein dunkles Stahlblaugrau geworden, das perfekt zu den übrigen in meinem Kleiderschrank befindlichen Farben passt. Das Bild ist zu hell, die Farbe ist schwierig zu fotografieren:


Das Problem, das ich vorhin beim Hanf schon angesprochen habe, machte sich bei dieser ersten Maschinenwäsche bemerkbar: das Zeug _fusselt_ ohne Ende!
Lauter kleine Knubbelchen aus kurzen Fasern, die sich ums Garn legen, die Fäden miteinander "verfilzen", der Waschmaschine zu ein bis zwei Extra-Spülgängen verhelfen, um sie durchzuspülen, und einfach nur lästig sind.

Ja, nun, was tu' ich nun mit dem Garn? Sehr schönes Garn, nach mehrfachen Wäschen auch weicher, tolle Farbe, typbedingt sehr unelastisch ;)

Nach kurzer ravelry-pattern-Suche blieb ich bei disem Jäckchen hängen: ystävälle-neuletakki.
Ein sehr schönes, sehr einfaches, schlichtes Sommerjäckchen, im Original aus Baumwoll-Leinen-Garn, und die Maschenprobe stimmte auch, wenn ich etwas größere Nadeln nahm. Wie geschaffen für mein Garn :)
Am 11. April 2011 fing ich an:


Kurze Zeit später, genauer gesagt: zwei Tage später, sah es leider so aus:


Ich hatte die Anleitung missverstanden und die Abnahmen für die leichte Taillierung an der falschen Stelle begonnen. Ich war schon fast auf Armlochhöhe, als ich es endlich bemerkte, aber manchmal hilft es halt nichts.
Der Vorteil war, dass das unelastische Garn durch das Ribbeln noch ein wenig weicher geworden war und sich beim zweiten Versuch deutlich williger verstricken liess.

Die Teile sind nicht groß, die Maschenzahlen überschaubar und so ging es schnell voran und schon am 19. April, 250g bzw. 550m Garn später, sah es so aus:


Ich wollte die Teile ganz klassisch mit dem Arbeitsgarn zusammennähen, aber nachdem der Stoff sehr leicht und luftig mit relativ großen Maschen ist, haben die Handnähte mich nicht überzeugt - sie sahen zu unordentlich und löchrig aus.
Also beschloss ich, das gute handgesponnene, handgefärbte, handgestrickte Stück mit der Nähmaschine und schnödem Polyesternähgarn zusammenzusetzen. (FREVEL! :)
Die Nähte sind ausgesprochen schön geworden, der eher grobe, aber glatte Stoff war dank meines dicken Maschinchens gar kein Problem und die Nähte sind dicht und un-löchrig.

Die teilweise gebrannten Holzknöpfe habe ich noch in meinem Nähkram-Fundus ausgegraben und ich finde, sie passen perfekt:


Die Jacke sitzt wunderbar, körpernah, nicht eng, und die Taillierung ist jetzt an der richtigen Stelle ;).
Leider habe ich kein "Tragefoto", weil ich vergessen habe, Winged beim unserem letzten Treffen damit zu beauftragen :-), aber vielleicht kann ich demnächst ein Bild nachliefern.

Das war sie, meine Geschichte, wie aus 400g eher unansehnlichen Pflanzenfasern ein nettes kleines Sommerjäckchen wurde. Ich hoffe, sie hat euch gefallen.